Carola Schneider beim Vorarlberger Presseclub

Einblicke in ihren Alltag als Journalistin in Moskau gab Carola Schneider den Mitgliedern des Vorarlberger Presseclubs bei einem Referat am Montag in Bregenz. Seit 2011 leitet sie das ORF-Büro in Moskau, von dem aus die Berichterstattung aus Russland und anderen Ländern der ehemaligen Sowjetrepublik erfolgt.

 

„Für Präsident Putin läuft es derzeit sehr gut“, fasst Schneider die Einschätzung der Lage zusammen. Außenpolitisch habe der 61jährige Putin in den letzten  Monaten etwa in der Syrienkrise und durch das Asyl für den Whistleblower Edward Snowden punkten können. Auch die zumindest vorläufige Abkehr der ehemaligen Sowjetrepublik Ukraine vom geplanten Assoziierungsabkommen mit der EU sei den Drohgebärden Putins zu „verdanken“.

Innenpolitisch halte der ehemalige KGB-Mann alle Fäden der Macht fest in der Hand und schränke seit Beginn seiner dritten Amtsperiode als Präsident im  Mai 2012 die Freiheiten der Zivilgesellschaft sukzessive ein. Grund seien die Massenproteste gegen sein autoritäres Regime, die nach manipulierten Parlamentswahlen im Dezember 2011 in großen russischen Städten ausgebrochen sind. Längst sind diese Massenkundgebungen wieder abgeflaut: Zum einen, weil sie keine Früchte getragen haben, zum anderen, weil durch neue repressive Gesetze etwa für die Teilnahme an nicht genehmigten Kundgebungen Geldstrafen drohen, die das mehrfache Jahresgehalt normaler Bürger betragen, wie Carola Schneider berichtete.

Die Einschränkung der Pressefreiheit dagegen betrifft die inländischen Journalisten mehr, als die Auslandskorrespondenten. Sie werde zwar sicher überwacht, ist Schneider überzeugt,  könne sich aber insgesamt frei bewegen. Einfach deswegen, weil “Putin im Prinzip egal ist, was im Ausland über Russland berichtet wird“, so Schneider. Die Berichterstattung im eigenen Land hat man schließlich unter Kontrolle. In Russland hingegen ist kritischer Journalismus oft lebensgefährlich.

Olympia in Sotschi – Totale Überwachung

Auch  während der Olympiade in Sotschi im Februar nächsten Jahres wird die totale Überwachung herrschen,  ist Schneider überzeugt. Mit dem Argument der Sicherheit werden in Sotschi nicht nur Journalisten, sondern auch Sportler und Besucher überwacht: Jedes Telefonat und der gesamte E-Mail-Verkehr wird von den russischen Behörden mitgehört und mitgelesen. Die technischen Vorbereitungen dafür sind längst getroffen, wie Carola Schneider sogar schon in einem ORF-Bericht zeigen durfte…